Westfälische Nachrichten vom 23.10.2016

Die Westfälische Nachrichten informiert in Ihrem Artikel “Windenergie steht wie eine Ideologie über allem” aus Ihrer Ausgabe vom 23.10.2016:

Mathys1: Ich habe 35 Jahre lang den Bereich Umwelthygiene und Umweltmedizin am Institut für Hygiene in Münster geleitet. Da geht es um Wasser-, Boden- und Lufthygiene. Ein breit gefächertes Gebiet, das immer mehr an Bedeutung gewinnt. Das sieht man auch daran, dass zunehmend mehr Menschen in die Sprechstunden kommen und über Beschwerden klagen, die von den Windkraftwerken verursacht werden.

Das wäre die nächste Frage gewesen: Wenn man über Windkraft spricht, kommen häufig die Stichworte Lärm, Schattenwurf, und in den nordischen Ländern sogar Krebserkrankungen auf den Tisch ...

Mathys: In Dänemark läuft zur Zeit eine große Studie, auf deren Ergebnis eine große Anzahl von dortigen Kommunen wartet und bis dahin keine Windkraftanlagen mehr genehmigt. Da geht es hauptsächlich um das Thema Infraschall. Das ist natürlich auch in Deutschland ein ernst zu nehmendes Problem. Das Bundesumweltamt hat 2014 einen Wuppertaler Forscher2 beauftragt. Da wird zunächst festgestellt, dass es da noch einen hohen Bedarf an Forschungsaktivitäten gibt. Und zum anderen wird festgestellt, dass man es nicht ausschließen kann, dass durch Infraschall gesundheitliche Schäden hervorgerufen3 werden können.

Aber wie soll der Schall denn wirken, wenn wir ihn nicht einmal hören können?

Mathys: Natürlich hört man den Infraschall nicht. Aber dieser Schall wirkt auf die äußeren Haarzellen im Gleichgewichtsorgan und wird deshalb auch vom Körper wahrgenommen. Es gibt eine ganze Reihe von Gesundheitsschäden, die sich darauf zurückführen lassen. Hinzu kommt natürlich, dass die ganzen Mess-Methodiken völlig veraltert sind. Wir messen heute immer noch nach der TA Lärm4 von 1998. Die hatte eine Bezugsgröße von 30 Metern. Da sind wir jetzt natürlich erheblich drüber. Die Modelle der Schallausbreitung, die da postuliert werden, entsprechen einfach nicht mehr den Realitäten.

  1. Prof. Dr. Werner Mathys leitete über 35 Jahre das Institut für Hygiene, Universitätsklinikum Münster, und ist heute in der Bürgerinitiative Gegenwind – Windkraft mit Vernunft aktiv

  2. Univ.-Prof. Dr.-Ing. Detlef Krahé von der Bergischen Universität Wuppertal, Author der „Machbarkeitsstudie zu Wirkungen von Infraschall - Entwicklung von Untersuchungsdesigns für die Ermittlung der Auswirkungen von Infraschall auf den Menschen durch unterschiedliche Quellen“, siehe "Infraschall jeder WEA erfordert den größtmögliche Abstand zur Wohnbebauung"

  3. Siehe Beitrag von Spiegel TV vom 07.06.2015

  4. Sechste Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm - TA Lärm)