WAZ vom 20.07.2016

Die WAZ für Vest/ Recklinghausen berichtet über die Interessengemeinschaft Haltern am Gegenwind in Ihrer heutigen Ausgabe auf Seite 13:

Klage gegen Windpark eingereicht

Interessengemeinschaft Haltern am Gegenwind sieht „Geschmäckle“

von Silvia Wiethoff

Haltern am See. Die Interessengemeinschaft (IG) „Haltern am Gegenwind“ hat eine Klage gegen den Windpark Lavesum/Sythen beim Verwaltungsgericht Gelsenkirchen eingereicht. Zusätzlich läuft weiterhin ein Eilverfahren zum Baustopp des gesamten Vorhabens.

Die IG lässt sich durch die Kanzlei Kaldewei in Ibbenbüren vertreten, die sich auf Klagen gegen Windkraft spezialisiert haben. „Wir sind nicht gegen die Nutzung von Windenergie, lehnen aber die Konzentration von neun Anlagen auf einer 1,8 Quadratkilometer kleinen Fläche zwischen Lavesum und Sythen ab, weil wir den Standort als ungeeignet und das Projekt als rechtswidrig sehen“, erklärten die Sprecher der Initiative, Torsten Otto und Werner Schaffrin, in einem Gespräch mit der Redaktion.

Die Mitglieder sehen sowohl die Anzahl als auch die Größe der geplanten Anlagen mit je rund 200 Metern Bauhöhe an diesem Standort kritisch. Während sich die Technik in den vergangenen zehn Jahren rasant entwickelt habe, hinken die rechtlichen Standards aus ihrer Sicht hinterher. So habe sich die Höhe der Windräder verdoppelt, die Vorgaben für die Abstände zur Wohnbebauung aber blieben in NRW die gleichen. Die unzumutbaren Belastungen für Menschen und Umwelt durch Emissionen wie Schattenwurf, Schall/Infraschall und optische Bedrängnis durch Windindustrieparks würden viel zu sehr vernachlässigt. Während die Investoren in Bayern den zehnfachen Abstand zur Wohnbebauung einhalten müssten, begnüge man sich in NRW immer noch mit dem zwei- bis dreifachen Abstand.

Torsten Otto und Werner Schaffrin werfen der Stadt Haltern eine „selektive Informationspolitik“ der Bürger zum Gesamtvorhaben vor. Bewusst haben sich beide dafür entschieden, mit ihren Familien aufs Land nach Lavesum zu ziehen. Otto: „Im ganzen Prozess ist mir niemals mitgeteilt worden, dass ich mit perfekter Sicht zu einem Windpark baue. Wer erwartet schon, dass im ländlichen Raum ein Industriegebiet entsteht?

Kreis hatte Widerspruch abgelehnt

Die IG sieht bei den Anlagen, die gerade an der Sythener und Lavesumer Straße jenseits der Autobahn entstehen, eine Verflechtung zwischen Politik, Stadt und Investorseite. „Für uns hat es etwas von besonderem Geschmäckle, wenn der Landtagsabgeordnete Josef Hovenjürgen (CDU, Anm. d. Red.) und der städtische Mitarbeiter Christian Hovenjürgen sowie nur wenige Lokalpolitiker und Bauern beziehungsweise Grundstücksbesitzer in Windkraftanlagen investieren und gemäß Bauschild es alle noch als Bürgerwindpark darstellen“, erklärten Torsten Otto und Werner Schaffrin.

Die beiden gehen davon aus, dass der Klageweg gegen den Windpark auf jeden Fall bis in die zweite Instanz zum Oberverwaltungsgericht Münster führen wird. Zum Verfahren fühlte sich die Interessengemeinschaft gezwungen, da der Kreis Recklinghausen einen Widerspruch abgelehnt hat.

Update: Der vollständige Zeitungsartikel der WAZ vom 20.07.2016: