Halterner Zeitung vom 11.03.2017, Energiewende

Die Halterner Zeitung berichtet in Ihrem Artikel "Energiewende beginnt vor der Haustür" aus Ihrer Ausgabe vom 18.03.2017:

Experten plädieren fürs Umdenken

„Energiewende in Haltern am See – jetzt wird es konkret“. Um dieses Thema rankte sich das gut besuchte dritte Energiegespräch der Stadtwerke mit zwei ausgewiesenen Experten am Donnerstagabend im Römermuseum. „Denn die Energiewende verändert unser Leben und hinterlässt deutliche Spuren – auch in unserer Stadt“, so hieß es in der Einladung.

„Das Thema Energiewende rückt generell in den Mittelpunkt der Gesellschaft, die Energiewende ist eine lokale und regionale Gestaltungsaufgabe mit einer ganzheitlichen gesamtstädtischen Strategie“, betonte Referent Dr. Jan Fritz Rettberg von der Technischen Universität Dortmund bei der Vorstellung des Dortmunder „Masterplans Energiewende“. Ein solches Vorgehen sei in Kleinstädten wie Haltern noch einfacher umsetzbar, „weil sich dort die Akteure vor Ort kennen und die Energiewende im Haushalt und vor der Haustür beginnt.“.

Gemeinsamer Lernprozess

Der Wissenschaftler betonte: „Zum gemeinsamen Lernprozess gehört, möglichst viele Akteure und auch die Bürger an einen Tisch zu holen. Dabei sind die Stadtwerke ein ganz wichtiger Akteur der Energiewende.“ Dies unterstrich auch Dr. Bernhard Klocke als Geschäftsführer der Halterner Stadtwerke, „denn in Haltern ist bereits der Anteil der erneuerbaren Energien auf insgesamt ein Drittel angestiegen“.

„Die alten Modelle der regionalen Energieversorgung funktionieren nicht mehr bei dem veränderten Kunden- und Verbraucherverhalten“, stellte Dr. Rettberg fest. „Wir müssen komplett umdenken. Ein ganzheitlicher Ansatz umfasst auch Elektromobilität, Ressourceneffizienz, Klimaschutz und Klimafolgenanpassung, Fachkräftesicherung sowie Energiebildung und Energiearmut“, umriss er den Dortmunder Masterplan „mit der Prämisse einer frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung zur Akzeptanzförderung“.

Zwischenspeicherung

Prof. Dr. Markus Zdrallek von der Universität Wuppertal als zweiter Referent des Abends befasste sich mit der Kernfrage der Speicherung von erzeugtem Strom in Wetterphasen, in denen Wind und Sonne ausfallen. Er erinnerte an die Ziele des deutschen Energiekonzeptes, bis 2050 Strom zu 80 Prozent aus regenerativen Quellen zu erzeugen und bis 2022 alle Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen.

„Was heißt das für die Stadtwerke Haltern?“, fragte er. Seine Antwort: Jede Menge regenerative Speicher und Einspeiser vorzusehen. „Es bedarf intelligenter Kopplung von Gas- und Stromnetzen, indem aus Strom Gas gemacht wird mittels Elektrolyse.“ Das erspare trotz eines geringen Wirkungsgrades bei der Rückumwandlung hohe Netzausbaukosten. „Hierzu gibt es aber noch viel Forschungsbedarf“, fügte er hinzu. „Auch mit den Stadtwerken Haltern wird so ein Projekt konzipiert“.

Auf Fragen aus dem Publikum bemerkte Prof. Zdrallek, dass bei derzeit 26.000 Windrädern in Deutschland „noch drei bis viermal so viele Windräder aufgestellt werden müssten, wenn wir 100 Prozent regenerative Energien wollen“.